Etappen und Schwierigkeiten im SADHANA

Die Etappen und Schwierigkeiten im SADHANA (dem spirituellen Training)

Ein Artikel von Gregorian Bivolaru

In unserem SADHANA (der spirituellen Praxis) können zahllose Fallen auftauchen, die uns vom direkten und aufsteigenden Pfad, der uns zur spirituellen Verwirklichung führt, ablenken. Daher ist es notwendig, einen größeren Überblick bezüglich des Weges, dem wir folgen, zu behalten, damit wir uns nicht selbst beschränken und nicht dauerhaft auf der gleichen Stufe stecken bleiben. Diese fundamentalen Aspekte werden uns helfen, dass wir uns selbst viel besser kennen und auf klare Weise verstehen, welche Etappen wir bereits gemeistert haben und welchen Schritten wir noch folgen müssen.

1. Die anfängliche Euphorie, die zusammen mit dem ersten Aufblitzen im Erwachen des Bewusstseins kommt, wird in den meisten Fällen früher oder später dazu tendieren, wieder zurückzugehen. Dieser Aspekt passt zur Wirkungsdauer der Anfangsenergie, die uns bei den ersten Schritten auf dem Pfad der spirituellen Vollendung unterstützt hat. Nach dieser überschwänglichen Phase taucht oftmals ein Gefühl des Mangels auf, ein nachlassender Zustand der Gnade, der sogar zur Verzweiflung führen kann. Das Gedicht mit dem Namen „Die dunkle Nacht der Seele“, geschrieben vom Heiligen Johannes vom Kreuz, behandelt diesen Bewusstseinszustand, in dem man fühlt, dass man für den Augenblick die Göttliche Gnade verloren hat, über deren Erleben man zuvor so glücklich war.

2. Im SADHANA (dem spirituellen Training) folgt fast jedem neuen Höhepunkt ein neues „Tief“. Obwohl der evolutionäre Prozess im Allgemeinen aufsteigend ist, ist die spirituelle Entwicklung niemals linear sondern durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Wenn wir dies besser verstehen, hilft es uns, beide Phasen leichter und losgelöster zu durchschreiten.

3. Es ist möglich, dass unsere Unreinheiten, je mehr wir unser Wesen reinigen, paradoxerweise scheinbar ernster und ernster werden. In dieser Phase müssen wir verstehen, dass solch ein Phänomen nicht erscheint, weil wir wieder in den illusionären Aspekten stecken geblieben sind, sondern weil wir in der Tat fähig geworden sind, diesen Ballast unseres Wesens immer klarer zu erkennen. Die Löwen, welche die Tore des spirituellen Tempels bewachen, werden immer grimmiger, je mehr wir in die intimsten und zentralsten Bereiche des spirituellen Gebäudes eindringen. Offensichtlich ist das Licht, in dem wir nun alles sehen können, viel kraftvoller und auf Grund der zusätzlichen Energie, die zusammen mit der nächsten Etappe unseres SADHANA kommt, wird alles intensiver und echter.

4. Am Anfang denken wir, dass unser SADHANA eine gewisse eingeschränkte Zeit unseres Lebens in Anspruch nimmt und für die spirituelle Übung eine gewisse, genau bestimmte Zeitspanne nötig ist. Mit der Zeit erkennen wir, dass in der Tat alles, was wir tun, ein Teil unseres SADHANA wurde.

5. Eine der Fallen, die in einem fortgeschrittenem Stadium unserer spirituellen Evolution auftreten kann, ist die so genannte „Sattvische Falle“ (oder „Die Falle der Reinheit“). Wir tun all die Dinge (zumindest von einem externen Standpunkt betrachtet) so wie wir sie tun sollten, also offensichtlich perfekt: in diesem Fall werden wir von der Idee besessen, dass wir ein sehr reines Wesen geworden sind. Die weisen Männer nennen diese Phase die Phase der „Goldenen Kette“. Tatsächlich sind es keine eisernen Ketten mehr, aber es sind und es bleiben immer Ketten. Wir müssen letztendlich sogar diese Idee unserer eigenen Reinheit aufgeben, wenn wir wirklich die vollständige Erlangung des Göttlichen Selbst (ATMAN) erstreben, das in genau diesem Leben erreicht werden muss.

6. Am Anfang unserer spirituellen Reise fragen wir uns selbst oft, wie lange sie dauern wird und ob wir sie erfolgreich während dieses Lebens bewerkstelligen. Später werden wir ekstatisch das Eintreten des „Jetzt“-Augenblickes, jedes Augenblickes, leben und die Gelegenheiten, die wir dann eine nach der anderen haben, werden wir als Ausdruck des „Hier“ und „Jetzt“ verstehen. Auf diese Weise werden wir dann verstehen, dass jeder Moment, sogar JETZT, und jede Gelegenheit, sogar diese HIER, genau die richtige privilegierte Konjunktion für uns sein könnte, in der sich die Göttliche Gnade manifestiert, die die ultimative spirituelle Vollendung mit sich bringt. Auf dieser Ebene werden wir uns selbst vollständig innehalten, in tiefem Frieden und souveräner Gelassenheit, und wir werden damit aufhören uns selbst Fragen über den Moment und die Konjunktion, in der wir die Höchste Spirituelle Vollendung erlangen werden, zu stellen.

7. Am Anfang, wenn wir auf dem spirituellen Pfad wandeln, machen wir nichts anderes als zu versuchen, etwas zu erreichen, von dem wir keine genaue Vorstellung haben. Später streben wir an, unser SADHANA so konstant wie möglich zu realisieren. Am Ende praktizieren wir einfach, ganz losgelöst, SADHANA, denn „was gibt es sonst zu tun?“

8. In einer bestimmten Phase unserer spirituellen Evolution werden wir das SADHANA mit sehr viel Ernsthaftigkeit und Hartnäckigkeit verfolgen. Später werden wir tiefgründig das Sprichwort von Jesus Christus verstehen, nämlich dass der Mensch, wenn er nach Gott strebt, sein Gesicht nicht verstümmeln soll. Ein ernsthafter Zustand der Spannung und des Enthusiasmus, ein kosmischer Humor, der besonders in den schwierigen Momenten, die wir durchschreiten, manifestiert werden muss, ist ein weiterer wichtiger Aspekt unserer spirituellen Reise.

9. In bestimmten Etappen unserer spirituellen Evolution werden wir zweifellos einige Momente erleben, wenn alles still zu stehen scheint. Solche „Erfahrungen der Unbewegtheit“ sind ebenfalls schwierige Momente auf unserer spirituellen Reise. Aber wir müssen verstehen, dass, wenn wir diesen Prozess der Evolution begonnen haben und wenn wir alles richtig machen, unsere Evolution nicht anhalten kann. Es erscheint uns nur so, dass sie stoppt (stagniert), wenn man es aus unserer begrenzten Perspektive betrachtet. Und in einer solchen Situation müssen wir nichts anderes tun, als einfach mit einer noch größeren Hartnäckigkeit als der, mit der wir begonnen haben, weiterzumachen.