Yoga und Glaube

Ein Artikel von Gregorian Bivolaru

Die weisen Yogis sind der Meinung, dass „zu können“ vor allem bedeutet, intensiv und fest an die unbegrenzten Möglichkeiten seines Wesens zu glauben, welches in einer möglichst umfassenden Harmonie mit dem gesamten Makrokosmos sein sollte. Wenn wahrlich „zu wissen“ eigentlich „zu können“ andeutet, dann stellt „kraftvoll zu glauben“ viel mehr als das dar, da es den Zugang zu der unbegrenzten göttlichen Kraft selbst ausdrückt. Das ist unter anderem die Ursache für die wundersame Heilung so vieler Krankheiten. Krankheiten sollten als nichts anderes betrachtet werden als gebrochene göttliche Gesetze. Diese Krankheiten manifestieren sich manchmal als eine mangelnde Widerstandskraft gegenüber einem äußeren oder inneren Aggressor.

Der Glaube an uns als göttlichen Wesenskern verkörpert letztendlich einen starken Glauben an Gott. Kein äußeres Geschehen und keine innere Transformation kann ohne einen soliden Glauben an unsere eigenen Fähigkeiten, Geschenke oder Talente beeinflusst werden. In anderen Worten sollten wir die größten Optimisten sein, da dies der einzige Weg ist, wie wir auf maximale Weise unser Wesen und unser Verhalten optimieren können, indem wir von diesem großartigen Gefühl des Vertrauens ausgehen, dass durch Resonanz unbegrenzte, wohltuende, aus Gott stammende Kräfte in uns angezogen werden und sich manifestieren können.

Es sollte noch festgehalten werden, dass ein intensiver und bedingungsloser Glaube an die unendliche göttliche Kraft, die einem Gott zukommen lassen kann, keinesfalls synonym zu „beweisen“, „demonstrieren“ oder „offensichtlich sein“ ist und auch keine Folge davon darstellt.

Aus diesem zutiefst spirituellen Blickwinkel ist die Aussage „an Gott glauben, weil…“ fast bedeutungslos. Im Gegenteil: „stark an Gott zu glauben“ bedeutet vor allem, zu glauben auch wenn bestimmte Situationen offensichtlich das Gegenteil nahe legen; es bedeutet, sogar gegen alle Wahrscheinlichkeiten, Statistiken, das Gesetz der großen Zahlen etc. zu glauben. Glauben ist daher ein adversatives Verb, eine Herausforderung, eine Provokation, gebildet aus allem, was im Menschen göttlich ist, gerichtet an die Welt, an alle dummen Gewohnheiten, an alle Arten von Bosheit, jegliche Gesetzmäßigkeiten und ihre unfairen und offensichtlich unbarmherzigen Auferlegungen. Wir glauben dann STARK an uns selbst und an Gott, auch wenn Tod, Krankheit, Leiden, Ungerechtigkeit, Verbrechen, Folter, Verrat, Sadismus und vieles andere in der Welt existiert. Entgegen der schrecklichen Show, die die Menschheit gerade veranstaltet, bestätigt uns etwas Geheimnisvolles in unserer Seele seinen festen und unveränderlichen Glauben an Gott.

An uns selbst und an Gott wahrhaft zu glauben, beseitigt jeglichen Zweifel, jegliche Zurückhaltung und jegliche Argumentation. Kierkegaard schrieb: „Das plötzliche Auftauchen eines riesigen roten Vogels, der vom Himmel fällt, könnte für die Menschen ein außergewöhnliches und sensationelles Ereignis sein, was sie sofort daran denken lässt, dass sie es mit einem offensichtlichen göttlichen Zeichen zu tun haben – ein Zeichen, das eindringlich die Pharisäer, Schreiber und Gelehrten verlangten. Das Herabsteigen von Jesus vom Kreuz, in Golgota, hätte ein solcher riesiger bunter Vogel sein können, nach dessen Erscheinen die Kleriker und alle, die sich da befanden, nichts anderes übrig geblieben wäre, als sich der Offensichtlichkeit zu unterwerfen, sich hinzuknien und Loblieber zu singen.“

Aber das ist nicht die Art und Weise, wie Gott handelt und es ist nicht die Art, wie Jesus den Ausdruck „an Gott glauben“ verstanden hat, jedes Mal, wenn er ihn aussprach aber besonders als er ihn acht Tage nach Seiner Wiederauferstehung zu Thomas sagte. Die uralten Texte des Christentums und anderer großer Religionen und spirituellen Traditionen der Menschheit zeigen, dass dieses Schlüsselwort – Glaube – (DAS DIE RESONANZ DIREKTPROPORTIONAL ZU SEINER KRAFT ERZEUGT UND ERHÄLT) sich selbst als über jeglichen Beweisen, belegenden Fakten, Schriften, Stempeln oder sichtbaren Objekten stehend offenbart. Es ist sehr wichtig, diese essentiellen Tatsachen über den starken und wahren Glauben an Gott zu verstehen. Hohepriester sagten: „Siehe und dann glaube“; einen heftigeren Gegensatz könnte es nicht geben, denn wenn sie gesehen hätten, dann wäre es bedeutungslos für sie geworden zu sagen, dass sie einen bedingungslosen Glauben an Gott haben. Folglich könnten sie in einer solchen Situation nicht mehr wirklich glauben, da sie „mit den eigenen Augen“ Erscheinungen sahen, die das rationale Gefühl einer offensichtlichen Göttlichen Anwesenheit fest hervorgerufen haben, zusammen mit der unwiderstehlichen Kraft der Aufhebung eines jeden Zweifels.

In Wirklichkeit bedeutet bedingungsloser Glaube an Gott, nicht mit den physischen Augen zu sehen. Apostel Paulus erklärt sehr deutlich: „Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man sieht?“ (Römer 8,24) Oder: „Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1) Er zeigt uns auch den Weg zu einem authentischen Zustand des Glaubens an Gott auf: „Indem wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.“ (2. Korinther 4,18)

In christlichen Texten wird der authentische Glaube an Gott mit drei weiteren sehr wichtigen Elementen verbunden: Freiheit (dem Gegenteil zur Versklavung), Geist (dem Gegenteil des wortwörtlichen Sinnes) und ekstatischer Freude (dem Gegenteil von Trauer und Wut).

Auch Yoga erklärt, dass der Glaube an unsere Göttliche Realität, an das Höchste Unsterbliche Selbst Atman und an Gott den Vater, sich weder auf den Verstand noch auf unsere Sinnesempfindungen, die die Illusion einer unausweichlichen Gewissheit erzeugen können, stützen muss. Starker Glaube hängt immer von einem geheimnisvollen inneren Gefühl ab, von einem Zustand der absoluten Gewissheit, die nur durch innere seelische Beweise erfahren wird.

Natürlich erscheint das Verb „zu glauben“ als Fundament der Religion und Spiritualität seltsam; warum repräsentiert ein so schwer zu verstehendes, so schwer zu definierendes und zu nennendes Wort den Kern eines jeden authentischen spirituellen Pfades? Die größten Seelen, die sich auf diesem Planeten reinkarniert haben, hätten kein weniger mysteriöses Wort finden können, das dem Verständnis der Mehrheit der Menschen zugänglicher gewesen wäre und letztendlich auch, warum nicht, weniger skandalös und rätselhaft für die Wissenschaftler, Denker und Logiker, die sich alle zusammen vollständig auf der anderen Seite der Barrikaden befinden, mit anderen Worten, gebunden sind an Vorurteile.

Die wesentliche Botschaft dieser Situation ist, dass man sich niemals vom Zauber (oder der Besessenheit) der Suche und des Findens materieller Beweise versuchen lassen sollte. Ohne Zweifel können diese einigen Menschen helfen, aber trotzdem haben sie keinen Wert für diejenigen, die wissen, dass „Gott Sein Geistiges Reich nicht auf dem Sand der Illusionen (wissenschaftlicher, historischer usw. Art) gründen wollte, sondern auf den Granitfels des authentischen Glaubens.“

Für Yogis BEDEUTET EIN STARKER GLAUBE EIGENTLICH, MIT DEN ASPEKTEN, AN DIE WIR GLAUBEN, IN RESONANZ ZU TRETEN UND DIESE AUFRECHT ZU ERHALTEN.

Wenn wir der geheimnisvollen und göttlichen Realität Gottes auf die wertvollste Art und Weise näher kommen, nämlich durch einen starken, vollständigen und bedingungslosen Glauben an unser Göttliches Selbst und an Gott, und wenn dies auch der rechte Pfad in Richtung der Ekstase der spirituellen Freiheit ist, so ist es trotzdem nicht weniger wahr, dass unser Glaube ohne gewisse Tatsachen, die ihn bestätigen, tot bleibt.

In Wirklichkeit braucht der STARKE Glaube keinen Hauch von Beweis, aber er muss bewiesen werden. Die tiefgründigen, wohltuenden und spirituellen Handlungen, die mit einer vollständigen Losgelöstheit vom eigentlichen Ziel der Handlung durchgeführt werden, verwandeln dann unseren Glauben in eine wahrhaft schöpferische Kraft und bieten uns immer eine energetische und spirituelle Aufladung für unseren notwendigen Übergang aus einer Reihe wunderbarer Zustände zur erhabenen Verwirklichung, aus einer Reihe von Ideen zu „Kraftideen“, die die Menschheit transformieren können.

Wir entdecken, dass Jesus Christus das blinde Vertrauen geprüft hat, in dem er schon im Voraus fragte: „Glaubst Du daran, dass ich das tun kann?“ Es wird aus dieser berühmten biblischen Episode offensichtlich, dass die Vollbringung eines Wunders immer zuerst einen STARKEN Glauben desjenigen, der sich in der Situation befindet, voraussetzt, einen Glauben, der nicht durch logische Argumente bedingt wird. Gottes Hilfe und seine Wunder erscheinen immer in Verbindung mit dem Glauben. Daher ist es offensichtlich, dass die Göttliche Gnade immer in einem Feld der Resonanz stattfindet und sich erfüllt.

In einer gewissen Situation sagte Jesus Christus: „Es geschehe nach deinem Glauben.“ Daher wird uns göttliche Hilfe immer proportional zur Kraft unseres Glaubens geschenkt. Je größer der Glaube ist, desto vollständiger ist Seine Hilfe.

 

Den Originalartikel finden Sie auf der Webseite unserer Mutterschule yogaesoteric.net:

Yoga and faith