Die spirituelle Paarbeziehung – Teil 1

TANTRA – EINE EINFÜHRUNG

Tantra ist in der heutigen Zeit, einer Zeit, in der Materialismus und Ignoranz die spirituellen Werte ersetzten, eines der geeignetsten Systeme. Es ist ein spirituelles System mit einer wissenschaftlichen Seite. Im Tantra gelingt es, Perfektion und das Absolute in einen umsetzbaren und konkreten Weg zu integrieren, wobei man immer auf einer Ebene der direkten Wirklichkeit bleibt.

Tantra ist Lebensphilosophie und ein System der spirituellen Evolution, das auf tiefgründiges oder eingeweihtes Wissen über die grundlegenden Gesetzte des Universums basiert. Tantra fordert nicht die Verneinung von Unwissenheit als einer Illusion, sondern deren Ersetzung durch entsprechendes Wissen. Dieses Wissen beruht auf direkter Erfahrung und Anleitung.

Das System des Tantra verbindet Wissenschaft mit Spiritualität, indem es die Geheimnisse der Entstehung und des Universums offenbart. Im Tantra ist das Einzelne im Ganzen integriert und das Ganze spiegelt seine Einzelteile wieder.

Tantra nutzt die grundlegenden Gesetzte für das Studium von Phänomenen und gibt uns so ein Set praktischen Wissens, um Regeln und Dogmen durch Erfahrung und Verständnis zu ersetzen. Aus diesem Grund lässt sich sagen, dass Tantra sich nur auf direkt erfahrenes praktisches Wissen gründet. Tantra stellt für den modernen Menschen eine Lösung dar, sich aus dem Zustand der Angst zu befreien, einem Zustand, durch den er die indirekte Erfahrung dem direkten Erfahren von Leben vorzieht.

Das tantrische System betrachtet Energie als Grundlage für alles, was existiert. Aus einem bestimmten Blickwinkel besehen ist Energie eine Bewegung, die durch Spannungsdifferenz entsteht. Diese Spannungsdifferenz bildet das Spiel der Polaritäten. Deshalb ist es wichtig, Polarität als grundlegendes Gesetz zu sehen.

Alles im Universum entsteht durch das spontane und freie Spiel der endlosen und ekstatischen Vereinigung zwischen Shiva und Shakti, zwischen Bewusstsein und Energie, zwischen männlich und weiblich.

Dies ist auch das Spiel der beiden Polaritäten. Im menschlichen Wesen widerspiegelt sich dieses göttliche Spiel in der Kraft der Anziehung zwischen Mann und Frau und in der erotischen, dynamischen Kraft, die zwischen ihnen entsteht.

Im faszinierenden und geheimnisvollen Spiel der Beziehung zwischen Mann und Frau finden wir ebenso all die Geheimnisse des universellen Dynamismus, wie wir all die Geheimnisse des Universums in der Tiefe eines einzelnen Atoms finden. Die bewusste und eingeweihte Einbindung in eine polare Paarbeziehung ist also mehr, als das zwangsläufige Ergebnis von bestimmten individuellen Kräften. Sie ist vielmehr Ausdruck eines göttlichen Spiels, welches das gesamte Universum formt.

Für Eingeweihte des Tantra stellt die Paarbeziehung ein offenes Tor zu den großen Geheimnissen des Universums dar, eine Möglichkeit, diese Geheimnisse direkt zu erfahren und hierdurch ganz zu verstehen. Die Paarbeziehung wird also als Ausdruck des elementaren Paares Shiva und Shakti, Bewusstsein und Energie, gesehen. Jede Entwicklung, jedes Phänomen oder jeder Zustand sind ein Geschenk des Göttlichen Spiels der Energien. Um diese Zustände, Phänomene oder Entwicklungen kontrollieren zu können, ist es wichtig, dass die wesentlichen Polaritäten, die jene Zustände, Phänomene oder Entwicklungen unterstützen, im Gleichgewicht sind – die beiden komplementären Kräfte müssen sich gegenseitig polarisieren.

Dieser Artikel ist im englischen Original von Mihai und Adina Stoian, Yogalehrer in Dänemark, verfasst.

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